Theoretischer Austausch, 21.02.2014

Heute fand das nächste Treffen zwischen den mit verschiedenen Ansätzen rund um unser Projekt Forschenden statt. Die beiden künstlerischen Leiterinnen und Choreografinnen Mia Habib und Monica Gillette ergriffen bald das Wort, um dem Rest der Versammlung ihre Herangehensweise, Gedanken und Erkenntnisse zu schildern. So entstand ein Einblick in ihren bisherigen tänzerischen Arbeitsprozess, während die anderen Beteiligten jeweils ihre Gedanken zu den einzelnen Punkten einbrachten.

Das erste große Thema lautete „Sympathie und Empathie“ und stammte aus Monicas und Mias Bemerkung, dass sie sich nach zwei Workshops und mit den in der „Bewegungsforschung“ am eigenen Körper erprobten Symptomen den Menschen mit Parkinson sehr verbunden fühlten. Es ist doch erstaunlich, was Körperhaltungen und Bewegungen emotional und psychisch in einem auslösen können. Selbst das Zuschauen bei eben diesem absichtlichen Herstellen der Symptome rufe ein starkes Mitfühlen hervor. Doch was bedeutet genau Sympathie, und was meint Empathie? Ein Ansatz wäre: Sympathie ist ein noch eher distanziertes Verstehen wollen und Einfühlen, während Empathie wirklich ein tieferes Eingehen auf den anderen ist. Doch wie geht es eigentlich Ärzten? Müssen sie ihre Empathie „abschalten“, bevor sie sich einem Patienten widmen, um nicht mit der Zeit mitzuleiden? Es wird beschlossen, demnächst einen auf Sympathie und Empathie spezialisierten Philosophen einzuladen.

Als nächstes kommt die Thematik der Spiegelneuronen (dessen Existenz allerdings von einigen Wissenschaftlern angezweifelt wird) auf. Können die Tänzerinnen nun ihre selbstgestellte Aufgabe der Umsetzung typischer Parkinson-Symptomen besser erfüllen, nachdem sie diese bei Menschen mit Parkinson gesehen haben? Und schon schaltet sich ein anderer künstlerischer Bereich ein: Einfühlung und Spiegelneuronen sind auch im Schauspiel ein präsentes Thema. In Stanislawskis Zeiten war der Schauspieler aufgefordert, sich in seine Rolle einzufühlen, sodass sich dadurch auch der Zuschauer mit einfühlen sollte. Heute dagegen bemüht man sich als Schauspieler meist darum, sich nicht in eine Rolle einzufühlen, sondern sie bewusst zu „spielen“, sodass ein Bild geschaffen wird, in dem der Zuschauer seine eigenen Interpretationen finden kann. Ähnliches gilt für den modernen Tanz.

Nun kamen wir auf das Thema Langsamkeit, welches von Monica und Mia körperlich erforscht wird. Sie bemerkten, es gäbe einen großen Unterschied zwischen „Zeitlupe“, einer im Tanzen oft angewandten Art der Langsamkeit und der „erzwungenen“ Langsamkeit, welche mental anstrengend sei und mit der eine gewisse Schwere einhergehe. Doch auch jeder andere hat seine Erfahrungen mit der Langsamkeit gemacht. Sie kann, soweit sie von uns gewählt ist, sehr positiv sein und die Achtsamkeit schulen. Aber wie anders muss es sein, aus der Langsamkeit nicht wieder aussteigen zu können?

Natürlich wurde auch die erste bevorstehende Open Practice ins Spiel gebracht und wir fragten uns, nach welchem Prinzip wir sie handhaben sollten: Den Ablauf genauestens vorbereiten oder spontan sein und die Situation abwarten? Der Beschluss fiel ziemlich schnell auf letztere Version, und das lag an der Ehrlichkeit und Offenheit, die man beibehalten wollte: Das Projekt geht nicht um eine Darbietung, es geht um Spontanität, Offenheit und Konversation. Laden wir also die Zuschauer herzlich dazu ein, mit uns zu diskutieren!

Jannika

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