Theoretischer Austausch, 26.02.2014

Wieder setzten wir uns zusammen und unsere Künstlerischen Leiterinnen begannen damit, uns auf den neusten Stand ihrer Arbeit im Tanzstudio zu bringen: Immer wieder taucht der Aspekt des Aufeinandertreffens von ausgebildetem Tänzerkörper auf eingeschränkten oder erkrankten Körper auf, und oft schleicht sich der Künstler-Blick ein. Doch momentan wollen sie noch in keine choreografische Richtung gehen, sondern sich auf das reine Forschen konzentrieren.

Als Monica und Mia sich gegenseitig beim tänzerischen Forschen beobachteten fiel ihnen die Präzision der Bewegungen und eine Klarheit auf, die man in vielen Tanztechniken anstrebt. Mia beschrieb die Störung von Klarheit auch als „noise“ (Geräusch), und auf einmal wussten alle etwas aus ihrem Wissensbereich zu diesem Begriff zu sagen: „noise“ als Metapher, als Störung in Versuchen, „white noise“ als das perfekte Geräusch, in dem alle Frequenzen gleich häufig vertreten sind. Da kommen wir auf den Sinuston, das reinste Geräusch, das wir kennen – dem wir jedoch nicht lange zuhören können, da es zur Tortur für unser Skelett wird. Die von uns empfundene Schönheit kommt erst mit den Obertönen.

Nun entstand ein Austausch der verschiedenen Forschungsweisen. Die Analysemethoden bei Tanz und Wissenschaft scheinen teilweise vergleichbar zu sein. Auf der anderen Seite reichen den Naturwissenschaftlern reine Beobachtungen und Beschreibungen nicht aus, denn ihnen geht es darum, Modelle zu erstellen und Vorhersagen zu treffen. Für die Tänzerinnen hingegen ist das unvorstellbar, denn ihr Ziel ist es, sich zu öffnen, um dann an einen Punkt zu gelangen, den sie eben nicht vorhergesehen haben. Sie sind darauf trainiert, loszulassen.

Das nächste Diskussionsthema sind Blockaden. Im täglichen Leben tun wir oft einfach etwas, ohne uns der Bewegungen bewusst zu sein oder sie zu analysieren, und genau deshalb funktionieren sie und wir blockieren nicht. Für Menschen mit Parkinson ist das keine Gegebenheit mehr. Doch woher kommen bei ihnen die Blockaden? Wenn Monica und Mia im Studio an der Aufgabe des Blockierens/Versteifens arbeiten, tun sie dies, weil sie sich bewusst dafür entschieden haben. Jedoch arbeiten sie ständig daran, diese Grenze zu überwinden, und ihren Verstand oder die bewusste Kontrolle auszutricksen. Es gab einzelne Momente, in denen ihnen genau das passiert ist – ein unwillentliches Blockieren oder Zittern oder Fallen. Doch meistens schaltet sich das Unterbewusstsein ein und versucht, genau diese unangenehmen, unbeabsichtigten Situationen, die dann auch negative Gefühle auslösen, zu vermeiden. Es handelt sich um eine mit Vorsicht zu behandelnde Grenze, wenn man versucht, seine eigenen Schutzmechanismen auszuschalten!

Jannika

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