Beobachtung der Bewegungsforschung

Heute kam ich als Zuschauerin in das Tanzstudio, in dem Monica und Mia an der Bewegungsforschung arbeiten, um ihnen am Ende einer jeden Aufgabe als Feedback meine Gedanken dazu zu erzählen. Hier sind einige Gedanken zu zwei Tänzerinnen bei ihren festgelegten physischen Aufgaben.

Aufgabe 1: Langsamkeit
Die Heizung schlägt einen unregelmäßigen Rhythmus. Die Uhr tickt unbeirrt. Mia und Monica beginnen, sich zu bewegen, jede Bewegung ist sehr genau, und sehr genau überlegt. Aber das Bewegen hat keinen Rhythmus mehr, den man überblicken könnte, denn die Langsamkeit nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass man den Überblick verliert und statt dem Gesamtbild der Bewegung jeden einzelnen Moment wahrnimmt. Das Rauschen der Heizung lässt sich den Bewegungen zuordnen. Doch so kann man auch nicht den eigenen Körperrhythmus als „Antrieb“ nutzen.

Monica schenkt ihrer Hand ihre gesamte Aufmerksamkeit, während sie sich richtung Boden streckt. Körper und Gehirn sind sehr stark verbunden, denn das Bewegen funktioniert nicht von alleine. Sie können nicht improvisieren, indem sie sich von ihrem Körper leiten lassen. Es muss vom Gehirn ausgehen, das die ganze Zeit konzentriert bleiben muss.

Es entstehen immer wieder Statuen. Bilder, die im Raum stehen bleiben und sich dadurch ihre Zeit nehmen, eine Geschichte zu erzählen.

Aufgabe 2: Langsamkeit und Steifheit bzw. Tremor nach festgelegten Regeln
Man kann richtig verschiedene Farben sehen, der Raum ist ein Bild, das sie bemalen. Langsamkeit ist gelb und Zittern ist blau. Sie schaffen ein Bild, in dem die Dominanz der Farben wechselt.

Weil man sich aus den schrägen Positionen erst langsam befreien muss, werden eben diese auch sichtbar, präsent. Die Übergangspositionen, die nicht unbedingt grazil sind, können nicht mehr vertuscht bleiben. Das scheint auch wie eine gewisse Ehrlichkeit der Menschheit gegenüber.

Anfangs erschien mir die Stimmung leicht, jetzt hat sie doch wieder etwas Schweres und Bedrückendes.

Durch die Festlegung der bestimmten Regeln entsteht eine Struktur, die mir gefällt, weil ich mehr das Gefühl habe, eine Ordnung und damit einen Überblick zu haben. Es lässt mich an das Wort „Konsequenz“ denken, wie man es im Theater öfter hört.

Als Mia ihren Körper zum Loslaufen vorbereitet, ist es, als würde sie ordentlich ihre Reisetasche zusammenpacken. Es ist ein komisches Gefühl, Mia anzuschauen, und sie sich mit ihrem ganzen tänzerischen Können in einer Tanzschule vorzustellen, während sie sich gerade langsam mit kleinen Schritten durch den Raum schiebt.

Jannika, 26.02.1014

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