Nachbesprechung am 04.04.2014

Heute traf sich unser Team, um sowohl die letzte Open Practice als auch die gesamten letzten zwei BrainDance-Monate nachzubesprechen.

Mit der Open Practice waren alle sehr zufrieden, sie schien den Höhepunkt des bisherigen öffentlichen Austauschs zu bilden. Viele Kommentare hatten ein großes Interesse und das Durchdringen der Thematik gezeigt und uns neue Anregungen gegeben. Lag das vielleicht an dem Gleichgewicht von Tanz und Gespräch? An der Kombination aus der Langsamkeits- und der Gedichtaufgabe, durch welche sich die beiden Tänzerinnen verletzlicher gemacht hatten? Hier gelang ein Austausch zwischen Wissenschaftlern und Künstlern, aber auch zwischen dem Rest des Publikums, von Parkinson betroffenen Menschen, ihren Angehörigen, aber auch völlig „unvoreingenommen“ Personen. Und je länger und tiefer das Projekt geht, desto dringlicher scheint es für alle Beteiligten zu werden.

Glücklicherweise waren die zwei BrainDance-Monate zumindest für die beiden Künstlerinnen ihr Hauptprojekt, sodass sie sich vollständig darauf konzentrieren konnten. Mia und Monica sind keine Therapeutinnen, aber umso mehr verstehen sie es, ihre Persönlichkeit und ihr Künstlersein einzusetzen. Wie soll es anders funktionieren, als durch „learning by doing“? Beispielsweise hat es sich bewiesen, in den Workshops mit unterschiedlichen Motivationsimpulsen wie Rhythmus, Interaktion, Selbstmassage und Selbstreflexion zu arbeiten. Wir alle haben aber auch viel von den Workshop-Tänzern gelernt und hatten Freude an dem generationenübergreifenden Zusammenkommen. Man kann den anderen vielleicht nie wirklich verstehen, aber man kann ihm näher kommen. Dieser Raum zwischen „mir“ und dem „Anderen“ ist instabil, und wir sollten uns darin üben, ihn flexibel zu halten. Vielleicht konnten wir dazu in den Open Practices etwas beitragen. Vielleicht gibt BrainDance Parkinson einen Wert – nicht als Krankheit, sondern als Lebensweise. Wie wird Krankheit von der Gesellschaft gesehen? Und wie können wir durch das Theater die Plattform für einen Austausch bieten, die weder Menschen mit Parkinson noch Wissenschaftler zur Verfügung haben? Eine Bühne bleibt aber eine knifflige Angelegenheit; sie ist einerseits offen, beinhaltet andererseits diese professionelle Distanz, die uns manchmal daran hindert, einfach drauflos zu plappern – oder schafft gerade diese Distanz vielleicht eine gewisse Freiheit? Der traditionelle Ort Bühne wird heutzutage von den Künstlern oft hinterfragt, aber ist er für unser Projekt nicht genau das richtige, da er den Anwesenden eine gewisse Anonymität oder Unsichtbarkeit bietet, in der man sich leichter öffnen kann?

 

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