BrainDance-Tage: Do, 29.05.2014 Interne Diskussionsrunde

Interne Diskussionsrunde mit Künstlern und Wissenschaftlern
„Reflecting different methods of research in dance and science“
(Verschiedene Forschungsmethoden im Tanz und in der Wissenschaft reflektieren)

Die heutige Diskussionsrunde begann mit einer Einleitung von Sara Houston, die die Forschung über den Einfluss von Tanzstunden für Menschen mit Parkinson mithilfe gemischter Methoden vorstellte: Qualitative Forschung (z.B. Laban Bewegungsanalyse, Interviews, Tagebücher der Teilnehmer…) und quantitative Forschung (wissenschaftlich durchgeführte Messungen) können sich gegenseitig ergänzen.
Bei der anschließenden Diskussion stellte sich von wissenschaftlicher Seite Skepsis an der Objektivität von qualitativer Forschung ein, und es entstand ein Gespräch über die Frage, wie man diese Lücke zwischen der qualitativen und quantitativen Forschung überbrücken könnte. Atan Gross (Weizmann Institute, Rehovot, Israel) bezeichnete daraufhin Tänzer als „Bewegungswissenschaftler“, die auf der einen Seite Dinge verstehen, die Wissenschaftler niemals verstehen könnten, gleichzeitig aber auch Wissenschaftler an ihrer Seite bräuchten, um die Ergebnisse zu beweisen. Daraufhin kam von tänzerischer Seite das Gegenargument: Müssen wir denn alles beweisen? Tanz spricht seine eigene Sprache und das beste Ergebnis ist, wenn wir nach einer Tanzstunde gar nicht darüber reden müssen.
Nun kam das Gespräch auf die grundlegende Methode in wissenschaftlicher Forschung, erst einmal mit starker Reduktion zu arbeiten, um überhaupt Messungen anstellen zu können. Diese Reduktion spiegelt sich auch in manch künstlerischer Forschung wieder, während andere vorziehen, als erstes den Fokus zu öffnen. Es entstand eine Übereinstimmung, dass gemischte Forschungsansätze sich positiv auswirken, wenn nach dem Austausch alle wieder zurück zum eigenen Feld kehren, um das Gelernte dann mit einfließen lassen zu können.
Da schaltete sich Roberto Casarotto ein und berichtete von einem Projekt, das durch Tanzklassen Ärzte, Krankenschwestern und Menschen mit Parkinson zusammenbrachte, dadurch Interaktion zwischen den verschiedenen Feldern zuließ und einige Überraschungen für die Ärzte angesichts der körperlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten ihrer „Patienten“ mit sich brachte.
Die Notwendigkeit um die ständige Bemühung, das Andere zu verstehen oder sich dem anzunähern wurde ins Gespräch gebracht. Es geht um die Ausdauer, sich in neue Situationen zu wagen; zum Beispiel als Wissenschaftler die Tanzklassen zu besuchen.
Doch es funktioniert zweigleisig, auch die Tanzlehrer lernen beim Unterrichten. Zum Beispiel Shahar Biniamini (Tel Aviv) erzählt, dass er Tanzstunden für Medizinstudenten gibt, um durch das Beobachten, wie ihre Gedanken zu Bewegung werden, seine eigenen Gewohnheiten zu brechen. Und auch für die Studenten soll es weitergehen: Das nächste große Projekt soll Studenten die Supervision durch sowohl Tänzer als auch Wissenschaftler ermöglichen.

(Jannika)

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