BrainDance-Tage: Do, 29.05.2014: Vortrag

Vortrag von Shahar Biniamini und Atan Gross
„Can working with dancers advance science?“

Prof. Atan Gross, Professor für Biologie, und der Tänzer Shahar Biniamini haben am Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel) eine Tanz-Klasse für Wissenschaftler etabliert. Nachdem sie eine von Übung mit dem Publikum durchgeführt hatten, in der die Knochen zu Magneten werden, die sich gegenseitig oder die des Nachbarn anziehen und so auch von diesen wieder getrennt werden, begann der Vortrag über:

Tanz und Wissenschaft
Shahar sprach über sein Leben als Tänzer und Choreograf. Er beschrieb seine Zeit als Tänzer in der Batsheva Dance Company in Tel Aviv, und auch wie sich nach dem Kontakt mit Menschen, die nicht vom Tanz kommen, sein Wunsch verstärkte, mit dieser Gruppe zusammenzuarbeiten. Dieser Wunsch wurde Realität, als er Atan Gross traf. Atan sprach über sein Leben als Wissenschaftler am Weizmann Institute in Rehovot, wo er die Geheimnisse menschlicher Körperzellen erforscht und darüber hinaus auch über seinen lebenslangen Wunsch zu tanzen. Atan und Shahar beschrieben, wie die gemeinsame Arbeit ihre professionelle Perspektive positiv verändert hat. Shahar erläuterte, wie diese Zusammenarbeit sein Leben in Bezug auf seine künstlerische Zielrichtung und seine Art, Bewegung zu unterrichten, beeinflusst hat. Atan berichtete, wie die gemeinsame Arbeit seine wissenschaftliche Kreativität zu verbessern scheint. Sie sprachen auch über den Unterschied zwischen wissenschaftlicher Forschung und Forschung als einem Wert, der Tänzern und Wissenschaftlern gemein ist, da sich beide Gruppen in einem fortwährenden Prozess des Forschens befinden. Tänzer sammeln Wissen in ihrem Körper, in Entsprechung dazu, wie Wissenschaftler Wissen in ihren Gehirnen anreichern. Beide analysieren Informationen zur Dynamik, allerdings zu unterschiedlichen Zwecken. Shahar sprach auch über die Bedeutung von Tanz als Erfahrung und als Werkzeug zur eigenen Erforschung, einem Werkzeug, das nicht nur von Tänzern eingesetzt wird, und in dem der »Tanz-Benutzer« zum Forschenden und gleichzeitig zum Objekt seiner Forschung wird. Shahar und Atan berichteten dem Publikum auch von ihren Erfahrungen mit einem neuen Kurs, den sie für Promovierende am Weizmann Institute organisiert haben, und von einem speziellen Workshop, der erstmals professionelle Tänzer, Choreografen, Bewegungsforschende und Wissenschaftler zusammengebracht hat. In beiden Fällen erforschten alle Beteiligten gemeinsam die Verbindungen zwischen Tanz und Wissenschaft und versuchten, eine gemeinsame Sprache hierfür zu finden. Atan und Shahar schlossen ihre Präsentation damit, dass sie Perspektiven für die Zukunft diskutierten und ihre neue »Thinking Science«-Tanzgruppe vorstellten, die vor kurzer Zeit ihre Arbeit in Tel Aviv und Rehovot aufgenommen hat.

(Nach dem Programmheft)

Dem Vortrag folgte eine spontane Reaktion von Uli Egert (Universität Freiburg), der anbrachte, dass ein Wissenschaftler gewissermaßen zwei Gehirne habe: das des Wissenschaftlers, und das des Vaters/Tanzenden. Doch genau in dem Moment, wo der Wissenschaftler ausgeschaltet wird, kommt der wahre Wissenschaftler zutage, kommen die besten Ideen. Der Tanz scheint dafür eine einzigartige Möglichkeit zu sein. Später wurde die Frage gestellt, ob wir nicht auch jede andere kreative Beschäftigung ausüben könnten, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Die Antwort lautete: Kreativ sein können wir natürlich in vielerlei Sinn, doch im Tanz bist du selbst das Werkzeug.
Die Tanzstunden für die Wissenschaftler dienen Shahar Biniamini als Forschung an der Reinheit der Bewegungen von nicht professionellen Tänzern, die zum ersten Mal in dieser Weise das Gehirn mit dem Körper verknüpfen. Er erzählte, dass er die Studenten beim Tanzen niemals korrigieren würde und dass sich die Tanzlehrer ständig abwechselten, um ein breiteres Wissen anzubieten. Shahar Biniamini berichtete außerdem, dass inzwischen auch schon umgekehrt Wissenschaftler Bewegungspartituren für die Tänzer kreiert haben. Atan Gross möchte seinen Studenten gerne mitgeben, dass es durchaus legitim ist, auch einmal etwas außerhalb des Labors zu tun. Im Labor bleibt man Individuum und einer Hierarchie unterstellt, doch im gemeinsamen Tanz können wir emotionale Zustände erreichen, in die wir alleine nie gekommen wären. Wie heute Morgen in Shahars Tanzworkshop: Wie einzelne Zellen ergaben wir mit der Zeit zusammen einen Organismus. Schließlich endete die Diskussion mit dem Satz: Ich glaube, dass Tanz das Leben jedes Menschen verändern kann.

(Jannika)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s