BrainDance-Tage: Sa, 31.05.2014: Öffentliches Abschlussgespräch

Öffentliches Abschlussgespräch:
„Tanz, Wissenschaft, Parkinson“

Zum Abschluss der BrainDance-Tage fanden wir uns im großen Kreis zusammen, in dem vorerst alle Beteiligten um ein Statement zu den vergangenen intensiven Tagen gebeten wurden. Besonders gefreut haben wir uns über die Ehrlichkeit von einer Teilnehmerin der Freiburger Tanzworkshops für Menschen mit Parkinson: Die Tanzstunden bereiteten wirklich Freude, seien für sie aber doch eher Therapie als Kunst. Trotzdem sei es schön wenn auch die Künstler und Wissenschaftler etwas daraus lernen könnten.
Darauf folgten Gedanken der verschiedenen Künstler, die über Moral und Ethik und über das Element des Spiels in der Tanzimprovisation nachdachten, über Motivation, den Raum des „Anderen“ oder die Frage nach der Unterscheidung zwischen Kunst und Therapie. Es wurden die Schlagwörter Gesundheit und Schönheit genannt, deren Bedeutungen sich mit den Veränderungen unserer Gesellschaft wandeln. Dann kam das Argument einer Parkinson-Tänzerin auf, dass man Langsamkeit nicht einfach mit Schönheit in Verbindung bringen kann, denn für sie bedeutet die Langsamkeit einfach nur Stress. Da kam das Gespräch auf das gemeinsame Tanzen im Museum: Das war doch Schönheit! Indem wir zusammen tanzen, machen wir uns einander zugänglich. Gemeinsam können wir Schönheit verkörpern. Oder durch Tanz und Kunst wird etwas möglich, mit dem wir nicht gerechnet haben, und dieses Unberechenbare bringt uns der Schönheit näher?
In diesen vier Tagen wurden wirklich viele Ebenen angesprochen, und aufgrund dieser Komplexität ist es notwendig, dass wir in verschiedenen Räumen und unter verschiedenen Bedingungen mit unterschiedlichen Fragestellungen arbeiten, aber es ist gut, wenn man sich bei einer Gelegenheit wie den BrainDance-Tagen austauschen kann, ohne in den gewohnten Rollen zu verweilen, sodass man sich auf neuen Arten begegnen kann. Als Neurobiologe beispielsweise muss man ja nach diesen Tagen nicht seine Forschungsweise verändern, aber man kann sich seiner Rolle im Ganzen mal wieder bewusst werden und sich mit der menschlichen und emotionalen Seite konfrontieren, die bei der Arbeit oft zu kurz kommt.
Es wurde als einzigartig empfunden, wie wir trotz unterschiedlicher Disziplinen und Sprachen miteinander kommunizieren konnten, weil wir zusammen getanzt haben. Daran sollten wir weiter arbeiten und diese Werte auch noch mehr mit der Außenwelt teilen. Hier dürfen wir ruhig einmal akzeptieren, dass unser sprachlicher Ausdruck seine Grenzen hat, und dass Tanz auch für sich alleine stehen darf. Und selbst wenn einer von Kunst, der Nächste von Magie und der Dritte von Schönheit spricht, wissen wir doch alle, dass wir eigentlich dasselbe meinen. Tanzen bringt uns zusammen. Das sollten wir öfter nutzen – so sollten wir leben.

Herzlichen Dank an alle, die die BrainDance-Tage besucht, inspiriert und mit gestaltet haben!

(Jannika)

Ein Gedanke zu „BrainDance-Tage: Sa, 31.05.2014: Öffentliches Abschlussgespräch

  1. Liebe Jannika!

    Ich möchte nun einmal dir ein Kompliment machen:
    Ich habe mir noch gedacht das es gar nicht so einfach sein wird die ganzen verschiedenen Gedankenvorgänge und Eindrücke der BrainDance Tage zusammen zu fassen und verständlich wiederzugeben…und nun lese ich das alles klar und deutlich, gut auf den Punkt gebracht…ich bin kurz gesagt beeindruckt darüber wie gut du diesen „Job“ gemacht hast!
    Großes Lob!
    Liebe Grüße von Renée

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